Von Beatrice Münster
Genau das war die Standardreaktion, als ich von meinen Reiseplänen erzählte.
Und ja — ich bin gefahren.
Und ja — ich war komplett überrascht.
Saudi-Arabien ist nicht das Land, das man zu kennen glaubt. Es ist vielschichtiger, ruhiger, geschichtsträchtiger und landschaftlich spektakulärer, als ich je erwartet hätte.
Riyadh wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Golfmetropole: Glasfassaden, breite Highways, riesige Bauprojekte. Besonders im King Abdullah Financial District (KAFD) fühlt man sich fast wie in einer futuristischen Filmkulisse. Und dann steht da noch der „Korkenzieher“ zwischen all den Hochhäusern.
Doch nur wenige Minuten später steht man plötzlich vor dem Fort Masmak oder dem Murabba-Palast — und merkt: Die Geschichte ist hier nie verschwunden. Geschäftige Souks runden das Bild ab.
Sehr spannend ist Diriyah. Lehmhäuser, enge Gassen, warmes Abendlicht — eher ein Spaziergang durch ein lebendiges Museum als eine Sehenswürdigkeit. Man schlendert herum, hört folkloristische Musik, beobachtet Familien, und irgendwann vergisst man komplett, dass man in einer Millionenstadt ist.
Eine Flugstunde später: absolute Weite. Keine Skyline mehr. Keine Geräusche. Die Wüste rund um Tabuk fühlt sich nicht leer an — sondern gross. Und ein Sonnenuntergang dort ist ein Moment, in dem plötzlich alle still werden. Im Wadi Disah wurde mir erst bewusst, wie vielfältig Wüste sein kann: hohe Felswände, Palmen, Schatten, Wasserläufe. Nicht spektakulär im lauten Sinn — sondern beeindruckend im ruhigen.
Al-Ula ist schwer zu beschreiben, weil alles gleichzeitig besonders ist. Palmenhaine, kleine Cafés und Alt-Al-Ula —entspannt und gemütlich.
Der Elefantenfelsen wirkt fast unwirklich, besonders am Abend, wenn die Farben wechseln. Und dann Hegra: gewaltige Felsgräber mitten im Nichts — 2000 Jahre alt und erstaunlich gut erhalten. Man steht davor und merkt, wie klein die eigene Zeitspanne eigentlich ist.
Der Maraya-Kubus war für mich ein surrealer Moment: ein riesiger Spiegelbau mitten in der Wüste, der die Landschaft komplett verschwinden lässt. Je nach Blickwinkel sieht man Gebäude oder nur Felsen.
Auch Jebel Ikmah mit seinen Felsinschriften und die Löwengräber von Dadan zeigen: Hier war lange vor uns schon eine erstaunlich entwickelte Kultur.
Entlang der alten Pilgerstrasse gelangt man in die zweitheiligste Stadt Saudi-Arabiens: Medina. Die monumentale Propheten-Moschee fasst in ihrem Aussen- und Innenbereich über eine Million Gläubige — unfassbar. Während der Muezzin zum Gebet ruft, pilgern Tausende Gläubige zur Moschee, und wenn der Innenraum voll ist, findet sich unter den 250 gigantischen Sonnenschirmen immer noch genügend Platz fürs Gebet. Die Stimmung in Medina ist andächtig und beschaulich trotz der vielen Pilger, die die Stadt ganzjährig bevölkern.
Im Gegensatz zu anderen Orten in Saudi-Arabien wird in Medina den Damen empfohlen, aus Respekt die traditionelle Abaya (Gewand) und einen Hijab (Kopfbedeckung) zu tragen.
Die Fahrt entlang der alten Pilgerroute führt nach Medina.
Die Stimmung dort ist schwer zu vergleichen — ruhig, konzentriert und respektvoll.
Die Prophetenmoschee ist gigantisch. Wirklich gigantisch. Sie bietet Platz für über 1 Million Gläubige im Innen- und Aussenbereich. Wenn der Gebetsruf ertönt, bewegt sich die ganze Stadt Richtung Moschee. Und selbst wenn innen kein Platz mehr ist, öffnen sich draussen diese riesigen Sonnenschirme und alles ordnet sich fast automatisch. Trotz der Menschenmengen wirkt nichts hektisch.
Der Hochgeschwindigkeitszug nach Jeddah fährt bis zu 300 km/h — und trotzdem vergeht die Fahrt erstaunlich entspannt.
Jeddah selbst fühlt sich sofort anders an: Meerluft, Promenade, Spaziergänger, Picknicks am Abend. Fast mediterran. An der Corniche sitzt man und schaut einfach aufs Rote Meer.
Und im alten Viertel Al-Balad verliert man sich zwischen Holzbalkonen, kleinen Läden und restaurierten Häusern. Danach wieder Shoppingmall — Saudi-Arabien bleibt konsequent im Kontrast.
Saudi-Arabien ist kein klassisches Reiseziel. Aber genau das macht es spannend.
Man reist weniger von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit —man reist von Erwartung zu Überraschung.
Kontaktieren Sie mich – ich freue mich darauf, Ihre Reise nach Saudi Arabien unvergesslich zu machen