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Erfahrungsbericht Hausbootferien Schottland

Geschrieben von Catherine Rütter | 20.08.2026, 06:11:41

Die Bootsbasis von Caley Cruisers liegt direkt in Inverness am Caledonian Canal. Ca. 1 km entfernt befinden sich 2 grosse Supermärkte (Coop und Lidl), ideal für den ersten Einkauf. Bei Ankunft an der Bootsbasis werden wir von Karin, die auch deutsch spricht, herzlich empfangen. Nach dem Erledigen der Formalitäten geht es um kurz vor 12.00 Uhr bereits in den Schulungsraum, wo wir anhand eines Films über alles Wichtige (Handhabung des Bootes, Manöver, Schleusen, Passieren von Brücken, Verhalten im Notfall etc.) informiert werden. Wir erhalten auch eine tolle Dokumentation (Kanalkarte, Bootshandbuch, Reiseführer), um bei Bedarf alles nochmals in Ruhe nachlesen zu können. Nachher geht’s zurück auf unser Boot für die praktische Einführung. Bill erklärt uns zuerst die ganze Technik und dann ist mein Mann, unser Skipper, gefordert. Unter Aufsicht von Bill fahren wir ein Stück auf dem Kanal und führen die wichtigsten Manöver durch (Boot wenden, seitwärts und rückwärts anlegen etc.). Nun bleibt noch etwas Zeit, uns einzurichten und den Mietwagen auf dem Caley Cruisers eigenen Parkplatz sicher abzustellen.

Wir haben den Bootstyp „Eriskay“ gemietet. Das Boot hat zwei Schlafkabinen. In der Bugkabine gibt es ein Doppelbett und in der Seitenkabine ein Kajütenbett. Ausserdem gibt es ein Bad mit Vakuum/Pumptoilette, Waschbecken und Dusche sowie eine gut eingerichtete Kombüse. Seife und Geschirrspülmittel sind vorhanden, ebenso Küchen- und Toilettenwäsche. Der Salon ist hell und geräumig. Durch eine grosse Glastür gelangt man ebenerdig auf die hintere Terrasse.

Dann geht es los! In einem Konvoi von sieben Booten mit jeweils einem Instruktor/Techniker an Bord fahren wir durch die erste Drehbrücke und die erste Schleuse. Die Schleusenwärterin ist sehr hilfsbereit und alles klappt bestens. Nun heisst es Abschied nehmen von Bill. Die Instruktoren verlassen hier die Boote, nachdem sie uns die ersten anderthalb Stunden begleitet und uns bei den ersten Fahrversuchen und dem Schleusen mit Tipps und Tricks tatkräftig unterstützt haben. Nach einem kurzen Stück auf dem Loch Dochfour geht es dann in den Loch Ness.

Die Grösse und Tiefe dieses Sees sind beeindruckend. Die Sonne scheint, wir erhöhen das Tempo (auf dem See gibt es im Gegensatz zum Kanal kein Tempolimit) und unser Boot pflügt durch die Wellen. Ein Gefühl von Freiheit stellt sich ein. Nach ca. einer Stunde kommen wir zum Urquhart Harbour bei Drumnadrochit und beschliessen, hier die Nacht zu verbringen. Hier muss man rückwärts anlegen und der Hafen ist schon gut besetzt. Jetzt sehen wir, ob wir das Gelernte in die Tat umsetzten können. Das Anlegen gelingt auf Anhieb.


Wir stellen den Tisch des Salons auf die Bootsterrasse und geniessen einen Apéro im schönen Sonnenschein, bevor es ans Kochen geht. Als es nach dem Abendessen kühler wird, dislozieren wir in den bequemen und gemütlichen Salon. Caley Cruisers baut seine Boote in der eigenen Marina/Werft und verwendet auch für die Innenausstattung sehr hochwertige Materialien. Die Vorhänge und Polster z. B. werden in Inverness nach Mass von einer Schneiderin handgefertigt. Nach diesem schönen ersten Tag auf unserem Boot schlafen wir tief und fest in unseren Betten unter wohlig warmen Daunendecken. Beim Aufwachen am Morgen ist der Frühstückstisch bereits gedeckt, der Wasserkessel pfeift und es riecht nach frisch getoastetem Brot und Bagels (danke Robin!). Das Boot verfügt über 240 V Steckdosen, die auch funktionieren, wenn das Boot nicht am Landstrom angeschlossen ist (Geräte mit mehr als 1500 W sind nicht möglich, aber der Toaster funktioniert). Wir beschliessen heute Morgen als Erstes das Loch Ness Centre & Exhibition zu besuchen. Ein 25minütiger Spaziergang bringt uns zum Ort des Geschehens (leider muss man einer befahrenen Strasse entlang laufen, zum Glück hat es aber wenigstens ein Trottoir!). Vom Loch Ness Center sind wir sehr positiv überrascht. Die multimediale Ausstellung ist wirklich interessant und sehenswert (auch in Deutsch) und vermittelt viel Spannendes und Wissenswertes über das Phänomen „Nessie“.

Auch 24 mit Sonar ausgerüstete Boote von Caley Cruisers nahmen 1987 an der einwöchigen Operation „Deep Scan“ teil, um das Nessie-Mysterium zu lösen. Wie das Ganze ablief und was dabei herauskam? Diese und noch andere Antworten erhält man im Loch Ness Center & Exhibition.

Kurz vor Mittag stechen wir wieder in See und erreichen nach ca. zwei Stunden Fort Augustus, das am Ende von Loch Ness liegt. Hier wartet eine Schleusentreppe von fünf Schleusen auf uns. Zuerst heisst es aber Anlegen und auf den Schleusenwärter warten, der die Schleusung organisiert. Es ist ein verkehrsreicher Tag und es warten bereits viele Boote, darunter auch grosse Segelyachten und Passagierschiffe. Der Schleusenwärter bestimmt die Reihenfolge der Einfahrt und die Position der Boote in der Schleuse. Nach ca. 1.5 Stunden sind wir an der Reihe und fahren in die erste Schleuse ein. Nun heisst es arbeiten. Nach der Schleusung müssen wir unser Boot von der ersten in die zweite Schleusenkammer ziehen und wieder richtig positionieren. Im gleichen Verfahren geht es in die dritte, vierte und fünfte Schleusenkammer. Man fährt das Boot nicht, sondern muss es mit eigener Muskelkraft von Schleusenkammer zu Schleusenkammer ziehen. Das unterscheidet diese Schleusentreppe von einer „normalen“ Schleuse.

Für den ganzen Vorgang, die fünf Schleusen hoch, benötigen wir noch einmal ca. 1.5 h Stunden.

Dabei hat man Zeit für einen kleinen Schwatz mit den anderen Bootsführern oder mit den vielen Schaulustigen, die dieses Spektakel beobachten. Eigentlich wollten wir nach der Schleusentreppe am oberen Anleger von Fort Augustus übernachten, aber es ist schon voll und so fahren wir weiter zur nächsten Schleuse, der Kytra Lock, die schon zur schönsten Schleuse Grossbritanniens gekürt wurde.

Hier gibt es eine sehr schöne und idyllische Anlegestelle vor und nach der Schleuse mit Picknickplätzen und Grillstelle. Die Schleusenwärterin hier ist ein Original. Wenn alle Mannschaftsmitglieder die Schwimmweste korrekt tragen und die Schleusung gut gemeistert haben, verleiht sie jedem einen goldenen Stern, der auf die Schwimmweste geklebt wird. Wir geniessen die Ruhe an unserem idyllischen Anlegeplatz. Vogelgezwitscher und ein paar blökende Schafe sind die einzigen Geräusche, die wir hören.

Am nächsten Morgen weckt uns der Regen, der in steten Tropfen aufs Dach prasselt. Nach den ersten Tagen, die uns viel Sonne bescherten, ist es nun nass und regnerisch. Wir fahren weiter zur Cullochy Schleuse und legen an. Ein kleiner Spaziergang dem Kanal entlang führt uns zur Aberchalder Swing Bridge und dann weiter dem Loch Oich entlang. Die Gegend ist schön, Blumen und Weiden säumen den Weg, kleine Farmen liegen verstreut in der Landschaft. Da wir nur eine Kurztour (Montag - Freitag) gebucht haben, ist hier beim Loch Oich unser Umkehrpunkt.

Wir fahren gemütlich zurück durch die Kytra Schleuse und weiter nach Fort Augustus. Hier erwartet uns eine etwas brenzlige Situation. Alle Anlegeplätze oberhalb der Schleusentreppe sind belegt, das Schleusentor öffnet sich und zwei grosse Schiffe sowie vier  Hausboote wollen ausfahren. Wir stehen mit unserem Boot mitten im Kanal und wissen nicht wohin wir ausweichen sollen. Ein rostiger alter Kahn, der am Rand des Kanals im Wasser liegt, ist unsere Rettung. Wir machen uns daran fest und warten bis alle Boote ausgefahren sind. Nun werden auch wieder Anlegeplätze frei, da acht der angelegten Boote in die Schleuse einfahren. Wir sichern uns einen Anlegeplatz und holen uns nach der ganzen Aufregung erst einmal ein Mittagessen im Canal Side Chip Shop, um unsere Energiereserven wieder aufzufüllen.
Danach geht es unter die Dusche. Mit der Bootsmiete haben wir auch eine „Canal Fee“ bezahlt. Wir erhielten von Caley Cruisers einen Schlüssel, um die sanitären Anlagen (Toiletten, Duschen, z. T. Waschmaschine/Tumbler, Dumping Stations) entlang des Kanals benützen zu können. Auch Wasser füllen kann man kostenlos an den Anlegern. Den Abwassertank muss man bei einer Kurz- oder Wochenmiete nicht selber entleeren, da reicht die Kapazität, bis man das Boot wieder abgibt. Gegen Abend füllt sich der Hafen und es gibt nicht für alle ankommenden Boote einen eigenen Anlegeplatz. So bekommen auch wir Nachbarn, die ihr Boot mangels Platz direkt an unserem Boot festmachen. Der Schleusenwärter macht dann auch noch die oberste Schleusenkammer auf, damit bereits Boote einfahren und dort für die Nacht anlegen können. So sind die ersten Boote morgen früh auch schon bereit für die Schleusung.
Wir schlendern noch ein wenig durch das pittoreske Fort Augustus mit seinen kleinen Geschäften,
Pubs und Restaurants. Für das Abendessen gehen wir in ein Pub-Restaurant, wo wir auch den WM Halbfinal England - Kroatien schauen können. Die Stimmung im Lokal ist ausgelassen… Die Schotten sind für Kroatien, die 3 jungen Australierinnen an unserem Tisch sind für England und auch in unserer Familie ist die Fangemeinde gespalten…
Am nächsten Morgen sind wir früh auf den Beinen, wir wollen ja mit der ersten Schleusung die
Schleusentreppe runter. Der Schleusenwärter berücksichtigt bei seiner Einteilung, dass die meisten
Caley Cruisers Kunden morgen früh ihr Boot in Inverness zurückgeben müssen und gibt ihnen Priorität. Wir werden mit einem anderen Boot des Typs „Eriskay“ zusammengebunden, damit auch der mittlere Platz in der Schleuse genutzt werden kann. Was für ein Zufall: Die andere Familie ist auch aus Therwil, unserem Wohnort! Schnell kommt man ins Gespräch, Erfahrungen werden ausgetauscht und Reisetipps für den Resturlaub abgegeben. Nach einer Stunde Schleusung und gemeinsamem Ziehen unserer Boote durch die 5 Schleusenkammern, trennen sich unsere Wege wieder.

Bei angenehmem Wetter geniessen wir die Fahrt zurück über das Loch Ness und den Loch Dochfour. Bei der reizvollen Schleuse Dochgarroch machen wir eine längere Mittagspause. Weiter geht es dann zur Swing Bridge Tomnahurich und kurz darauf kommt schon die Basis von Caley Cruisers in Sicht. Nach dem Anlegen ist sogleich ein Mechaniker zur Stelle. Er geht mit uns das Boot in der Werft auftanken und wir bezahlen im Büro unsere Treibstoffkosten von GBP 84.00. Danach packen wir
schon einen grossen Teil, so dass wir noch einen gemütlichen Abend auf dem Boot verbringen und am nächsten Morgen stressfrei abreisen können.
Die vier Nächte auf dem Hausboot liessen sich gut in unsere zweieinhalbwöchige
Schottlandrundreise einbauen und waren eine tolle Abwechslung zur Mietwagenrundreise, die uns von Edinburgh via Royal Deeside nach Inverness, weiter über die Applecross Peninsula auf die Insel Skye und die Westküste hinunter zurück nach Edinburgh führte. Die Kombination aus wunderschönen Landschaften (Highlands, Inseln, spektakuläre Küsten), aber auch interessanten Orten und natürlich immer wieder tollen Schlössern hat uns sehr gut gefallen und lässt uns sicher irgendwann zu „Wiederholungstätern“ werden.